Mechthild Borrmann: Grenzgänger

Das Eifeldorf heißt „Velda“, nicht Mützenich. Hier wächst Henni als ältestes von vier Kindern heran, ein starkes, wildes Mädchen, das am liebsten im Hohen Venn spielt. Der Vater ist Uhrmacher, seit seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg zittern ihm so stark die Hände, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Mutter schuftet sich für die Familie zu Tode. Mit 17 Jahren übernimmt Henni die Verantwortung für ihre Geschwister und den schwachen Vater und tut nur, was sie gut kann und was so viele damals tun: sie schmuggelt Kaffee. Aber sie wird schwer bestraft: es kommt zu einer Katastrophe, die andere nach sich zieht. Jahre später steht Henni in Aachen vor Gericht, angeklagt des zweifachen Mordes.

Mechthild Borrmann, vielfach prämiierte Schriftstellerin, unter anderem Trägerin des renommierten Deutschen Krimipreises, nimmt auch in „Grenzgänger“ die Krimihandlung zum Vorwand, um eine andere relevantere Geschichte zu erzählen: die von der Ausgeliefertheit des Einzelnen an die Läufe der Zeit, in die er hineingeboren wurde, die von Hoffnungen und ihrer Zerstörung, von kleinem Glück und grausamem Schicksal, von Unrecht, das zu Recht wird.

Was wir hier erfahren, betrifft uns sehr: es ist uns zeitlich gar nicht fern und örtlich so nah.

Mechthild Borrmann: Grenzgänger, Droemer/Knaur, 20 €

 

 

Hideo Yokoyamas: 64

Das Feuilleton überschlägt sich: „Weltliteratur. Punktum.“, jubelt Bayern 2. Und der „Spiegel“ präzisiert: „Kafka meets Stieg Larsson.“.

Wir fühlen uns an dieser Stelle angehalten, darauf hinzuweisen, dass wir deutlich mehr Kafka als Larsson wiedergetroffen haben auf den 760 Seiten, die Hideo Yokoyamas „64“ umfasst. Mehr als ein Pageturner ist dieser Roman ein Porträt japanischen Lebens mit explizit literarischem Anspruch.

Dabei folgt er durchaus dem Schema der Kriminalliteratur seit Sjöwall/Walhöö: Unser Protagonist Mikami, zwar kein Ermittler, sondern Pressechef der Polizei und als solcher platziert zwischen allen Stühlen, ist wie Martin Beck vereinsamt in einer erkalteten Gesellschaft und einer dysfunktionalen Familie, die Tochter verschwunden, die Ehefrau ihm entfremdet.

Er geht auf in seiner Arbeit, weniger in sachbezogenen Aufgaben als in Orientierungsbemühungen in einem undurchdringbaren Machtapparat. Bis eines Tages der Fall „64“, jener eines 1989 entführten und ermordeten Mädchens, neu aufgerollt wird.

Hideo Yokoyamas: 64, Atrium, 28 €

 

Anne Reinecke: Leinsee

 

Was für ein bunter und lebendiger Roman. Anne Reinecke führt uns in die Künstlerwelt am Leinsee. Fast malt sie Bilder mit ihren Worten.

Dieser Roman ist so bunt und vielschichtig, fast wie ein kunstvolles Gemälde. 

Harte Fakten und Ereignisse erschlagen uns hier nicht, so behutsam schleichen sie heran. Reineckes besonderer Ton macht es aus. Jedes Kapitel besitzt seine eigene Farbe, einen eigenen Anstrich und dadurch seine besondere Lebendigkeit.

Leinsee ist ein Buch der Überraschungen, der Wendungen, die wir vielleicht ahnen, aber nicht auszusprechen wagen. So viel sei verraten; es geht auch um die Liebe, und dass die Liebe eben Zeit braucht. Und über das Glück, seinem Leben eine Wendung zu geben, darüber, dass es ein "zweites" Erwachsenwerden geben kann.

Alles in Allem, ein äußerst vielversprechendes Debüt, frisch und frei erzählt.

Anne Reinecke: "Leinsee", Diogenes Verlag, 24,- €

 

 

 

 

 

 

Fernando Aramburo: Patria

Patri heißt Vaterland, Heimat. Was bedeutet Heimat? Darum geht es in diesem Buch.

Erzählt wird aus der Sicht zweier Frauen und ihrer Familien, die in einem kleinen Dorf im Baskenland leben, zur Zeit, als die ETA ihren lange währenden Unabhängigkeitskampf beginnt. Einst eng befreundet werden sie schlagartig zu erbitterten politischen Widersachern.

Aramburo versteht es auf meisterhafte und mitreissende Weise, eine äußerst komplexe historische Geschichte um die baskische Unabhängigkeitsorganisation anhand von zwei Familiengeschichten, zu erzählen. Immer wieder wechselt er dabei die Erzählperspektive, schert sich um keine Chronologie und schafft es am Ende doch, alles auf verblüffende Art und Weise zusammenzuführen.

Dem regelrechten Sog, der sich beim Lesen dieses Romans unweigerlich einstellt, können wir uns nur schwer entziehen.

Ein berührender Roman, der uns mit der Frage konfrontiert: "Gibt es die Möglichkeit der Aussöhnung mit den Tätern von damals, über alle erlittenen Schrecken hinweg?" 

Völlig zurecht wurde dieser Roman mit den größten spanischen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Fernando Aramburo: "Patria", Rowohlt Verlag, 25 €

 

 

 

 

Céline Minard: Das große Spiel

Eine Frau steigt aus: Sie lebt, zurückgeworfen auf sich selbst, im Gebirge, verbringt ihre Zeit in ihrer selbst entworfenen High-Tech-Wohnkapsel, sie bestellt ihren Garten, sie angelt, sie wandert, sie liest, sie philosophiert, sie erkundet ihre Umgebung, sie erforscht sich selbst. Denn sie, diese namenlose Ich-Erzählerin, ist einzige Probandin eines selbst gesetzten Experiments: wie besteht der Mensch in der Einsamkeit, außerhalb der Gesellschaft und ihrer Beziehungsmuster, die sie verortet im Spannungsfeld zwischen Versprechen und Drohung? 

Das Experiment scheitert auf kuriose Weise. Was bleibt, ist "Das große Spiel".

Die Neugierde auf die Autorin dieses vielleicht außergewöhnlichsten Roman des Bücherfrühlings hat mich auf die LitCologne gebracht. Dort las Céline Minard, tiefenentspannt zurückgelehnt in ihrem Stuhl, gekleidet in einem schwarzen Anzug, Kraft und Ruhe ausstrahlend - das Modell ihrer Protagonistin.

Céline Minard: Das große Spiel, Matthes & Seitz, 20 €

 

 

 

 

James Baldwin: Von dieser Welt

 

James Baldwins erster, autobiografischer Roman 'Von dieser Welt' (erstveröffentlicht 1953) glich einem Befreiungsschlag - für ihn selbst und für alle, die nach ihm kamen. Er macht den Anfang der deutschen Neuausgabe seines Werkes.

John Grimes ist ein schwarzer, empfindsamer Junge aus Harlem, sexuell unschlüssig, seine einzige Waffe zur Selbstverteidigung ist sein Verstand. Aber was nützt es, von den weißen Lehrern gefördert zu werden, wenn der eigene Vater einem tagtäglich predigt, man sei hässlich und wertlos, solange man sich nicht von der Kirche retten lässt. John sehnt sich danach, selbst über sein Schicksal zu entscheiden, nicht sein Vater, den er trotz allem liebt, nicht ein Gott, den er trotz allem sucht. Als am Tag von Johns vierzehntem Geburtstag sein Bruder Roy von Messerstichen schwer verletzt nach Hause kommt, wagt John einen mutigen Schritt, der nicht nur sein eigenes Leben verändern wird.
Ein beeindruckender Roman, eine wunderbare Wiederentdeckung.

James Baldwin: "Von dieser Welt", DTV, 22,- €

 

 

 

 

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky kann zaubern. Über die Lektüre ihres Romans „Was man von hier aus sehen kann“ wirken ihre Kräfte vollkommen unabhängig von Geschlecht, Alter oder literarischer Bildung im tiefsten Inneren eines Menschen. Ein breites Lächeln, gerundete Augen, die Körpersprache seliger Versunkenheit sind nur äußere Symptome, drei von vielen.

Haben wir je zuvor ein solches Buch in deutscher Sprache lesen dürfen? Eines, das alle verzückt, auch die schärfsten Kritiker des Feuilletons? Das in einem Dorf in tiefer Provinz die ganze Welt abbildet und hier die großen Themen ausbreitet, das Leben, das Sterben und vor allem die Liebe, die nahe und die ferne, die unerreichbare und die sich erfüllende? Das immer wieder ein Okapi als Todesboten in die Träume von Großmutter Selma entsendet und den magischen Realismus im Westerwald neu beheimatet? Das vom Wunder des Menschseins erzählt, indem es über ein Vierteljahrhundert seine Dörfler begleitet, ein jeder ausgeprägt individuell bis extrem skurril, aber vorbehaltlos liebenswert? Das weiß, dass alles eins ist und „die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben“ einfordert?

Das, nachdem die letzte Seite gelesen ist, mit seinem Charme, seiner Fantasie, seinem Witz und seiner Originalität unwiderstehlich dazu verführt, sofort nochmals von vorne zu beginnen?

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“, DuMont Verlag, 320 Seiten, 20 €

 

 

 

 

Daniel Kehlmann: Tyll

Nach "Die Vermessung der Welt" hatte Daniel Kehlmann öffentlich beschlossen, keine historischen Romane mehr schreiben zu wollen. Dann kam Tyll.  "Ich ging davon aus, dass man mich schon nicht einsperren würde", kommentierte er auf der Frankfurter Buchmesse. Hat man nicht, man feiert ihn: "Tyll" gilt als das brillanteste Buch dieses überaus brillanten Autors.

Dabei ist Tyll, lange bevor es ein historischer Roman ist, ein Manifest der Erzählkunst, das sich nicht so sehr schert um Fakten. Das beginnt schon sehr prägnant mit der titelgebenden Figur: der historische Till Eulenspiegels lebte drei Jahrhunderte vor der Zeit des Romans, vor dem 30jährigen Krieg.

Tyll ist bei Kehlmann der Narr, der hin und wieder nur auftritt, um vogelfrei auf einem Seil über den Köpfen zu tanzen, und das Feld oder Schlachtfeld zumeist denen überlässt, die wirklich närrisch sind. All denen, die diesen großen Krieg in Gang gesetzt haben oder ihn über drei Jahrzehnte aufrecht erhalten, allen voran dieser Winterkönig Friedrich I von Böhmen nebst Gattin Elisabeth Stuart. Wie sie, beide durchaus kindlichen Gemüts, auf der Suche nach einem Exil durch das verwüstete Land irren, das ist großartig beschrieben, detailreich, wortgewaltig, kunstfertig.

Dabei ist "Tyll" keineswegs ein Antikriegsbuch, allenfalls eines über den Wahnsinn, der zur Normalität geworden ist, ein farbenprächtiges Panorama aus düsteren Zeiten, eines über Könige und Feldherren, Universalgelehrte und Dichter, die Inquisition und auch einen Drachen. Der war, als er starb, 17000 Jahre alt und zu müde, um sich weiter zu verstecken.

Danie Kehlmann: "Tyll", Rowohlt, 22,95 €

 

 

 

 

Sabrina Janesch: Die goldenen Stadt

Vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass der wirkliche Entdecker der Inkastadt Machu Pichu in Peru, ein Deutscher namens Rudolf August Berns ist. 1867 und somit lange vor dem bis dahin geltenden Entdecker, dem Amerikaner Hiram Bingham, der die Stadt 1911 entdeckt haben soll.
Das hat die Autorin dazu gebracht sich auf die Spuren dieses Deutschen zu begeben, von dem man bis dahin so wenig wusste. Sie hat für diesen Roman seine Geschichte recherchiert, sich durch viele Archive und Aufzeichnungen gelesen und sich auf die Reise in die Anden gemacht, auf die Spuren von Rudolf August Berns.
Wir erfahren, dass Rudolf August Berns 1842 als Sohn eines Weinhändlers in Uerdingen zur Welt kommt. Schon als kleiner Junge hat er am Rhein Gold gewaschen und sich in ferne Länder und Welten geträumt, stark beeinflusst durch die Schriften von Alexander von Humboldt, den er in Berlin wahrscheinlich sogar einmal getroffen hat. 
Er beschliesst sich auf den Weg nach Peru zu machen, um die goldene Stadt, von der er schon so viel gelesen hat, zu finden.
In Peru angekommen, nennt er sich fortan Rudolfo Augusto Berns, er arbeitet als Ingenieur und Vermesser beim Bau der Eisenbahn mit, ist beim Bau des Panamakanal beteiligt…
… um dann schließlich die sagenumwobene Stadt der Inka zu entdecken.
Dieses Buch ist ein großes Lesevergnügen, ein großer Abenteuerroman, sehr gut recherchiert, phantastisch und fesselnd erzählt mit einem sehr sympathischen Helden. Er zeigt, was es bedeutet für seine Träume zu leben und ist eine Hommage an die Grenzenlosigkeit der menschlichen Neugier.

Sabrina Janesch: "Die goldenen Stadt", Rowohlt, 22,95 €

 

 

 

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Eitan Grein arbeitet seit kurzem als Neurochirurg in einem neuen Krankenhaus. Aus Tel-Aviv stammend, ist er mit Frau und Kindern in den staubigen Süden von Israel gezogen. Er ist Anfang 40, ein guter Arzt, politisch links, ein "sogenannter" aufrechter Charakter.

Nach einer langen zwanzig Stunden-Schicht im Krankenhaus, ohne Schlaf, steigt er eines Abends in sein Auto um nach Hause zu fahren. Eigentlich hundemüde, aber noch mit einem Rest Adrenalin im Körper, beschließt er durch die Negev Wüste zu fahren. Dort überfährt er einen illegalen, afrikanischen Immigranten und begeht Fahrerflucht, nachdem er erkennt, dass er nichts mehr für den Mann tun kann.

Am nächsten Morgen ist sein Leben nicht mehr das, was es am Tag zuvor war.... 

Dieses Buch ist spannend erzählt wie ein Kriminalroman und es zeigt, wie Menschen in Situationen geraten können, in denen hohe Ideale, aber auch Lebenslügen, der Realität nicht mehr standhalten können. "Löwen wecken" ist eine nachhaltige Verstörung, ein existentialistischer Roman, der den Leser veranlasst, seine eigene Position immer wieder neu zu hinterfragen - wie würde ich handeln?

Absolut lesenswert!

Ayelet Gundar-Goshen: "Löwen wecken", Kein & Aber, 13,- €

 

 

 

 

 

Isabel Bogdan: Der Pfau

Jetzt neu als TB, schon nach Erscheinen 2016 einer unserer Lieblinge
„Der Pfau“ ist eine locker erzählte Gesellschaftssatire, sie spielt in dem mehr alt- als ehrwürdigen Herrenhaus von Lady und Lord McIntosh.
Um den Unterhalt des Gebäudes zu finanzieren, vermieten sie  gelegentlich einen ansonsten unbewohnten Flügel an Gäste. Da kommt es ihnen sehr gelegen, dass sich im Spätherbst eine Gruppe von Bankern aus London meldet, um in der Abgeschiedenheit der schottischen Highlands ein Teambilding- Seminar durchzuführen.

 Das Zusammentreffen von britischer Upper Class mit den Bankern einerseits und einer manchmal etwas überforderten Seminarleiterin, den pragmatischen Hausangestellten, Lord und Lady sowie mehreren Tieren andererseits, bietet Stoff für diese dynamische Komödie.
Eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt dabei einer von fünf Pfauen, ein Männchen, die auf dem Landgut leben. Leider hat dieser neuerdings die Angewohnheit, alles Blaue als seine Konkurrenz anzusehen und anzugreifen. Der Blaumetallic- Lackierung des Wagens der Abteilungsleiterin bekommt das nicht gut, was zu allerlei Verwicklungen führt.

Als Leser hat man sofort Bilder im Kopf, gespeist von Fernsehfilmen wie „Downton Abbey“ oder „ Inspector Barnaby“, die für eine heimelige Grundstimmung sorgen.
Aber keine Angst, Sie erwartet kein kitschiges Romänchen, dafür sorgt schon die Tatsache, dass Idie Autorin schon seit Jahren als Übersetzerin anspruchsvoller englischer Autoren gearbeitet hat, bevor sie dieses Buch schrieb und darüberhinaus wunderbar mit Sprache umzugehen versteht.

Isabel Bogdan: "Der Pfau", Insel, 10,- €

 

 

 

Antoine Laurain: Der Hut des Präsidenten

Nach dem erfolgreichen Roman “ Liebe mit 2 Unbekannten“ hat Antoine Laurain wieder einen äußerst charmanten Roman veröffentlicht.

Wir sind in Paris, im Jahr 1986, und es regiert Francois Mitterand.
Der Buchhalter Daniel Mercier sitzt in einer Brasserie, die eigentlich etwas zu teuer für ihn ist, aber er hat heute das Bedürfnis, sich etwas zu gönnen. Mit viel Glück hatte er einen Tisch ergattert, freut sich auf seine Meeresplatte Royal und eine Flasche Burgunder, da betritt Francois Mtiterand das Lokal, um genau am Nebentisch mit seinen Freunden zu speisen. Daniel geniesst die Zeit in so prominenter Nachbarschaft. Nachdem der Präsident das Lokal verlassen hat, bemerkt Daniel dessen vergessenen Hut und beschließt spontan, ihn an sich zu nehmen. Am nächsten Tag trägt er ihn mit neu erwachtem Selbstbewusstsein.

Und so beginnt die Geschichte des Hutes, der noch öfter verlorengeht und das Leben der Menschen, die ihn finden, immer  positiv verändert. 
Liegt es an der Magie des Hutes, durch die die bisher verborgenen Seiten der Menschen sichtbar werden? Was braucht es, um dem Leben eines Menschen eine andere Richtung zu geben?

Die Erfolgsgeschichten werden vom Autor so liebevoll beschrieben, dass man das Gefühl bekommt, selbst in Paris in einem Bistro zu sitzen und Alles mit eigenen Augen zu beobachten.
Das ideale Buch für eine entspannte Auszeit!

Antoine Laurain: "Der Hut des Präsidenten", Droemer Knaur, 10,99 €

 

 

 

 

Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit

Der Roman beginnt im Jahr 1919, der erste Weltkrieg ist gerade vorbei und Henny Godhusen  beginnt voller Optimismus und Lebensfreude eine Ausbildung zur Hebamme.

Sie und noch drei weitere Frauen, begleiten wir auf Ihrem Lebensweg. 

Ida, eine junge Dame aus besseren Kreisen, naiv, oberflächlich, die gezwungenermaßen eine Ehe eingeht und sich nur mit Mühe aus dieser Misere befreien kann. Im Gegensatz dazu Käthe, Hebammenschülerin,  wie Henny und Kommunistin, die mit dieser Überzeugung in der Zeit des Nationalsozialismus schwere Zeiten durchlebt hat. Und schließlich Lina, eine junge idealistische Lehrerin, die sich für ein unkonventionelles Leben entscheidet.

Dieses Buch ist ein toller Schmöker, flott geschrieben, man taucht ein in das Leben der Figuren und in die Zeitgeschichte.

Absolut empfehlenswert!

Carmen Korn: "Töchter einer neuen Zeit", Rowohlt TB, 10,99 €

 

 

 

 

 

 

 

Manfred Lucenz, Klaus Bender: Verrückt nach Garten

 

Manfred Lucenz und Klaus Bender bewirtschaften in Bedburg-Hau einen wunderschönen Garten, der alljährlich im Rahmen der niederrheinischen offenen Gartenpforte zu besichtigen ist. In "Verrückt nach Garten“ stellen sie zehn ausgesuchte Gärten vor.
Deren Besitzer haben auf Grundstücken von 600 Quadratmeter bis zu 2.5 Hektar beeindruckende Gartenkunstwerke geschaffen und  geben aus ihrem reichen Erfahrungsschatz hilfreiche Empfehlungen unterschiedlichster Art weiter. Besonders interessant: Tipps zur Bekämpfung der verschiedenen Buchsbaumerkrankungen!

Manfred Lucenz, Klaus Bender: "Verrückt nach Garten", Callwey, 29,95 €

 

 

 

 

 

Konstanze Neubauer: Gärten des Jahres 2018

 

Diese Dokumentation bietet einen einzigartigen Überblick über die schönsten Privatgärten, entworfen von den kreativsten Gartenplanern im deutschsprachigen Raum. Landschaftsarchitekten, Gartengestalter sowie Garten- und Landschaftsbauer werden jährlich zu einem Wettbewerb aufgerufen, besonders gelungene realisierte Privatgärten einzureichen, die dann von einer renommierten Jury ausgewählt und prämiert werden.

Das Buch zeigt eine beeindruckende Vielfalt unterschiedlichster privater Gärten.


Besonders erfreulich, dass hier auch ein Roetgener Gartengestalter mit zwei Gärten vertreten ist.

Konstanze Neubauer: "Gärten des Jahres 2018, Callwey, 59,95 €

 

 

 

 

 

Anja Birne: Eine romantische Gartenreise in England

 

Dies ist bereits der zweite Band der romantischen Gartenreisen in England. Wieder führt uns Anja Birne in die schönsten englischen Gärten, diesmal  von London bis Yorkshire. Es werden berühmte Gärten wie die Kew Gardens, aber auch weniger berühmte Geheimtipps vorgestellt, die es noch zu entdecken gilt. Abgerundet wird dieser gelungene Band durch Hinweise auf spannende Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, Porträts besonderer Persönlichkeiten und 40 köstliche Rezepte aus dem englischen Küchengarten.

Für Garten- und Englandfans unverzichtbar.

Anja Birne: "Eine romantische Gartenreise in England", Callwey, 39,95 €

 

 

 

 

Marc-Uwe Kling: Qualityland

Bekannt wurde Marc-Uwe Kling auf Lesebühnen in ganz Deutschland durch die Känguruchroniken. Jetzt ist mit Qualityland sein erster Roman erschienen.

In Qualityland schildert er eine mögliche Zukunft, in der Technik unser komplettes Leben bestimmt. Und er beschreibt einen Alltag, der erschreckend gut vorstellbar ist.
Es ist eine durchdigitalisiert und ökonomisierte Welt, eine Gesellschaft, in der Menschen aus Fleisch und Blut auf Augen- und Gesprächshöhe mit Androiden leben, die den Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen und eine Welt in der es keine Zufälle mehr gibt, weil alles berechnet wird, und Algorithmen den Menschen besser kennen, als er sich selbst.
Qualityland ist ein Sammelsurium an Einfällen und als Hörbuch - für Jung und Alt - sehr zu empfehlen.

Marc-Uwe Kling: "Qualityland", Hörbuch Hamburg, 18,- €

 

 

 

 

Vincent Almendros: Ein Sommer

Dieses Buch hat es in sich: So blutrot der Leineneinband der Wagenbach-Ausgabe, so glutheiß ist die Geschichte, die Vincent Almendros auf 96 Seiten offenbart. Ihr Titel lautet „Ein Sommer“, sie endet mit dem Satz „Cool, sagte ich.“ und ist eingespannt zwischen der großen Hitze der Ereignisse und der kühlen Eleganz des Erzähltons.

Nur so viel sei vom Inhalt verraten: Es gibt vier Protagonisten, drei Franzosen, eine Skandinavierin, durcheinander gequirlt in diversen Beziehungsmustern, Brüder, Geliebte, Fast-Ex-Geliebte, Ex-Geliebte. Im keineswegs stillen Zentrum dieses Hurrikans, dort, wo alle diese Muster greifen, steht der jüngere Bruder, der Ich-Erzähler, ahnungslos, überfordert, verwirrt, aber um Haltung bemüht. Ihm folgt der Leser.

Der ältere Bruder hat geladen: Die vier kommen zu einem Segeltörn von Neapel nach Capri zusammen, die Yacht ist klaustrophobisch eng, die Temperaturen steigen, die Grenzlinien werden unscharf, alles scheint möglich.

Auch dem Leser: die Atmosphäre von „Ein Sommer“ erinnert an die Filme des „Master of Suspence“, Alfred Hitchcock. Wie er versteht es Vincent Almendros, eine psychologische Spannung, keine kriminalistische, aber eine hocherotische, aufzubauen und äußerst subtil aufrecht zu halten. Und wie der Altmeister hat er ganz am Ende ein Szenario zu bieten, das vollkommen überrascht. Eben cool!

Vincent Almendros: "Ein Sommer", Wagenbach, 96 Seiten, 15€

 

 

 

 

Lars Mytting "Der Mann und das Holz"

Gelegenheit zu archaischer, sinnstiftender, archetypisch maskuliner Tätigkeit findet der Roetgener zuhauf vor seiner Haustür - und jetzt gibt es das passende Buch:  Lars Myttings "Der Mann und das Holz".

Wussten Sie, dass der höchste Holzverbrauch aus Bhutan gemeldet wird – und nicht etwa aus Skandinavien oder Russland? Dass die Bäume für das beste Brennholz im Frühjahr gefällt werden? Dass es einen Unterschied macht, ob Holz „Borke oben“ oder „Borke unten“ gestapelt wird? Dass der Holzstapel Rückschlüsse auf den Charakter des Staplers zulässt? Aprikosenholz brennt anders als Mandelholz. Birkenholzscheite verströmen im Kamin einen feinen Duft … 

Davon erzählt Lars Myttings Buch, das gleichzeitig auch eine Anleitung ist zum Fällen, Hacken, Stapeln – und die Kunst lehrt, ein schönes Kaminfeuer am Brennen zu halten.
Wer früher ein Taschenmesser in der Tasche hatte, wird nach Konsultation dieser ebenso informativen wie unterhaltsamen und anekdotenreichen „Bibel“ zu Axt oder Säge greifen.

Lars Mytting "Der Mann und das Holz", Suhrkamp, 18€

 

 

 

 

 

 

Mathieu Ricard „Glück“, das vielleicht wichtigste Buch in unserem LeseZeichen

Ricard, Franzose, Sohn eines Philosophen und einer Malerin, Neffe des ersten Einarmumseglers der Welt, aufgewachsen im Dunstkreis von Intellektualität, Künstler- und Abenteurertum, studierter und promovierte Biologe, Mitarbeiter des institut pasteur. Das sind nur die Kerndaten einer vergleichsweise kurzen Phase seiner Biografie. Sein Leben begann nach eigener Aussage erst danach: mit der Entdeckung des tibetischen Buddhismus. Zu dessen Kernaussage bahnt er uns in „Glück“ in klaren, einfachen Worten einen Weg: An welchem Ort der Welt Sie auch immer ihr Glück suchen: Sie suchen vergebens. Das Glück, es liegt ganz nah – in uns – und nur da.

 

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